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Querläufer, 2009

Möwen auf einem Brückengeländer schauen stets in dieselbe Richtung. Ausser einer oder zwei, die man erst beim zweiten Hinschauen ausmacht. Im Normalfall sind sie halt anders, aber wenn dann eine Gefahr droht, sind sie für die ganze Möwenschar von Nutzen. So ist der Querdenker unangenehm, er hält der Gesellschaft vielleicht den Spiegel hin, in den sie nicht blicken will. Meistens werde solche Querläufer mundtot gemacht, ignoriert oder eliminiert. In einer wissenden Gesellschaft sind kritisch denkende Personen schlecht für das Geschäft, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik.

Die Menschheit ist nicht auf Gleichheit, sondern auf Vielfalt aufgebaut, genetisch als auch kulturell. Das ist mitunter auch der Grund für die Funktionstüchtigkeit der Eidgenossenschaft und erfüllt den wahren Eidgenossen mit Stolz. Dieselben Eidgenossen bekämpft mit allen Mitteln genau diese Diversität. Droht einer Minderheit das "Aus" werden Subventionsspritzen aufgezogen und verteilt, damit der Restposten als museal am Leben erhaltene folkloristische Attraktion weiter existiert.

Zwiespältig, aber erfolgreich genug, funktionierte so die Schweiz über lange Zeit hinweg. Die Gefahr des Verlusts dieser Erfolgsstory droht heute seitens der Gleichnamigkeit, der Gleichmacherei und der Einheitsbrei-Idee des Globalismus, Harmos und allen anderen Vereinheitlichungen von jahrhundertelang aufgebauten Werten. Menschen und Ideen können nicht über Kapitel wie "Deutsche Industrienorm, DIN" abgewickelt werden. Ein Apfel wird dann reif, wenn er reif wird.


Roland Hächler, im September 2009