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Felle, 2009

Menschenschutz statt Naturschutz


Wir verkaufen das Fell des Bären und ziehen dabei der Erde das Fell ab.

Wollen wir etwas verstehen, so nehmen wir Bilder, Metaphern. Das Fell ist so eine Metapher. Die erste Welt lebt als Konsumgesellschaft auf einem gigantischen Schuldenberg und mehrfach über ihre Verhältnisse. Sowohl die kommunistische als auch die kapitalistische Bewirtschaftug dieser einen Erde folgen dem dogmatischen Leitsatz "Gleichstand ist Rückschritt" und generiert daraus den sich fatal auswirkenden Begriff "Wirtschaftswachstum".

Im Gegensatz dazu leben seit Jahrtausenden indigene Völker im Einklang mit der Natur. Mit ihrer Haltung war es ihnen möglich, sich über die ganze Erde auszubreiten, sogar dort, wo die erste Welt sich nie hintrauen würde. Matriarchalische Gesellschaftsformen schonen die Umwelt weit nachhaltiger als patriarchalisch gesteuerte.

Waldrodungen haben im europäischen Raum Tradition. In der Antike für Schiffe, im Mittelalter für Landwirtschaftsland, in der Renaissance wieder für Schiffe und Hausbau und heute für Papier, Zellulose und Treibstoff. Interessanterweise macht dabei Brennholz immer einen kleinen Anteil aus.

Im Gegensatz zu den Naturvölkern begehen wir zusätzlich zwei gravierende Fehler: Wir nutzen erstens nur ausgesuchte Teilmengen der Natur. Aus christlicher Weltanschauung heraus denken wir binominal: ja-nein, Himmel-Hölle, alles-nichts, essbar-unessbar, Speisefisch-Beifang. Im Urwald hingegen kommt von einem Bachteilstück von rund zehn Metern Länge all das auf den Tisch, was sich in diesem Abschnitt befindet. Wenn das alles aufgebraucht ist, kommen zehn andere Meter dran. Die erste Welt macht Jagd auf eine bestimmte Tierart bis sie ausgerottet ist, dann weicht man auf die nächste aus. Das zeitigt enorme Folgen für das Oekosystem.

Wir roden zweitens ganze Landstriche ohne Tabuzonen auszuscheiden, wo sich sowohl genetische Vielfalt halten, als sich auch Überschüsse bilden können, die wir dann nutzen könnten.

Dank dieser beiden christlichen Verhaltensmuster "alles oder nichts" und "patriarchalisches Machtdenken" kombiniert mit dem Wirtschaftwachstum und der damit verbundenen Konsumhaltung glitten wir in die Schuldenwirtschaft und bezahlen mit dem Fell des Bären, den wir erledigen werden. Nun hat es heute aber gar keine Bären mehr. Diese Selbstüberschätzung prägt mittlerweilen das Verhalten der gesamten Erdbevölkerung. Indem wir tabulos die Erde plündern, ziehen wir ihr das Fell ab: Bodenschätze, Wald, Wasser.

Die erste Welt hat das Problem geschaffen. Sie ist nun solidarisch zuständig für eine Behebung der Schäden und Fehlentwicklungen. Sie alleine hat Know-how, Technik und Menschen, um erd- und nicht menschangepasste Maschinen und Nutzungsrechte zu etablieren. Dabei gewinnen alle: die erste bis dritte Welt - und die Erde, denn nur Menschen können Menschen schützen.

Roland Hächler, 20. August 2009